ANTIBIOTIKA
Therapie
Editorial
Im
Laufe der letzten rund 90 Jahren wurden bakterielle Infektionen
kausal behandelbar. Das aus heutiger Sicht erste Antibiotikum,
das Salvarsan, wurde vor rund 90 Jahren von Paul Ehrlich
gegen die Siphylis entwickelt. Produziert und vertrieben
wurde es von den Farbwerken Höchst, einem Vorgängerunternehmen
von Aventis Pharma. Der Begriff Antibiotikum wurde allerdings
erst 1946, und dann zunächst nur für Naturstoffe,
eingeführt.
Heute
zählen zu den Antibiotika neben Naturstoffen wie
Erythromycin, modifizierten oder nachsynthetisierten Naturstoffen
wie den Cephalosporinen oder Chloramphenicol auch zahlreiche
vollsynthetische Substanzen wie die Fluorchinolone.
Es
lassen sich über zwanzig Antibiotika-Klassen zählen,
die sich hinsichtlich ihrer molekularen Grundstruktur,
ihrer Wirkungsweise und den von ihnen erfassten Bakterienarten
unterscheiden. In diesem Jahr konnte Sanofi Aventis Pharma den
ersten Vertreter der neuesten Klasse der Ketolide auf
den Markt bringen.
Gründe
für die Entwicklung immer neuer Antibiotikaklassen
waren die Suche nach immer weiter verbesserten Wirksamkeits-
und Verträglichkeitsprofilen, aber auch die Ausbreitung
von Erregern, die gegen etablierte Antibiotika resistent
geworden sind. In diesem Zusammenhang kritisieren viele
Experten seit vielen Jahren unter anderem den
Masseneinsatz von Antibiotika in der Viehzucht, sowie
die oft medizinisch sinnlose Verordnung der
lebensrettenden Medikamente bei zahlreichen
Bagatellerkrankungen - insbesondere bei durch
überwiegend harmlose Viren verursachte sog.
"Erkältungskrankheiten".
Hier kommt es gelegentlich zu einer "unheiligen Allianz"
von übermäßig besorgten Eltern fiebernder Kinder und
Ärzten, die den erforderlichen Aufklärungsgesprächen aus
Zeitmangel ausweichen.
Grundsätzlich sollten
Antibiotika daher nur unter der Voraussetzung verordnet
werden, dass die zu behandelnde Krankheit durch Erreger
verursacht wird die sich durch Antibiotika abtöten
lassen. Hierzu ist zwingend ein Antibiogramm
erforderlich, das das heute flächendeckend übliche
"Schrotschussverfahren" unter Einsatz bewährter
Breitband-Antibiotika ersetzen sollte.
Dr. med. Jochen
Kubitschek (Chefredakteur Medizin 2000)